"Rein ins Getümmel!" - Das war meine Devise am ersten Tag in Buenos Aires. Ich wollte die Stadt von all ihren Seiten kennenlernen. (Was an einem Tag natürlich nie und nimmer geht, ein ganzes Leben bräuchte man dafür!) Geschlafen hatte ich bei einer Freundin, die mir noch die wichtigsten Tipps mit auf den Weg gegeben hatte. Ui, war das ein Straßenlärm, als ich aus der Haustür trat. Zu dem Foto links stellst du dir also am besten noch das ungeduldige Hupen der Taxifahrer, das laute Geknatter der Mopeds und ein temperament-volles Stimmengewirr vor. Und dazu die pralle Sonne, die dir unbarmherzig auf den Kopf knallt!
Denn es war ja hoher Sommer in Argentinien und das im Dezember! Auf der anderen Seite der Erdkugel sind die Jahreszeiten genau gegengesetzt zu den europäischen.
Wenn in Europa also Winter herrscht, regiert in Südamerika der Sommer. Und das bedeutete widerum, dass Weihnachten bei heißen Temperaturen gefeiert wird. Genauso wie in Deutschland werden
Weihnachtsbäume aufgestellt (allerdings nicht so viele), die Schaufenster dekoriert und Weihnachtslieder gesungen. Das aber nicht dick in Winterjacken eingemummelt, sondern im Sommerkleid. Wie
hier vor einer Einkaufspassage im Stadtzentrum.
Mit Weihnachtsliedern im Ohr schlenderte ich weiter und staunte nicht schlecht über die prunkvollen Gebäude, an denen ich vorbeiging. "Nicht kleckern sondern klotzen, oder besser gesagt, protzen!" kam mir in den Sinn. Herrschaftliche Stadthäuser mit Säulen und meterhohen Eingängen mit goldenen Türgriffen. Hier eine Marmorstatue, dort eine Kuppel. Wer konnte sich das denn leisten? Die Antwort fand ich im Geschichtsbuch: Vor hundert Jahren und etwas mehr war Buenos Aires eine der reichsten Städte der Welt! In Frankreich gab es sogar das Sprichwort "reich wie ein Argentinier", und diesen Reichtum wollten vor allem die Einwohner der glamourösen Hauptstadt stolz zeigen. Denn stolz sind sie, die porteños. Um einen Überblick über die Prachtalleen zu bekommen, setzte ich mich in einen Doppeldeckerbus und ließ den Prunk an mir vorüberziehen. Bei der Hitze war es auch ganz angenehm, nicht alles zu Fuß abzulaufen! ;)
Allen porteños ging es früher aber nicht gut, und wie heute gab es eine Masse an Menschen, die in Armut lebten. Damals wohnte diese Schicht in Stadtteilen wie La Boca, nahe am Hafen. Dort gab es Menschen, die sich ehrlich ihr Brot verdienten, indem sie Schuhe putzten, Obst verkauften oder beim Bau halfen. Und es gab Kriminelle und Banden. (Wie unter den Reichen natürlich auch!) Kaum eine Familie konnte es sich leisten, dass ihre Kinder zur Schule gingen. Sie mussen arbeiten. Aber diese armen Stadtteile haben auch erfolgreiche Fußballspieler hervorgebracht, denn einen Ball zum Kicken gab es in jeder Straße! So hat sich zum Beispiel der frühere Fußballstar Diego Maradonna sein Können genau hier antrainiert.
Der Plaza de Mayo, La Boca, die Casa Rosada, das Parlament - ach, es fehlen noch die Caféhäuser, die pompöse Oper, der Hafen, die Kartonsammler und, natürlich, der
Tango und und und! Aber alles geht eben nicht an einem Tag! Hier noch ein Schnappschuss von meiner Bustour, der Buenos Aires
in einem Bild zusammenfasst:
Bei der nächsten Station mache ich dich mit einer Frau bekannt, die jeder Argentinier kennt und entweder liebt oder hasst: Eva Perón. Außerdem zeige ich dir gestapelte Särge.
Neugierig geworden?